Europe’s Microelectronics Business Case in Brüssel: Starke Impulse für die europäische Elektronik- und Leiterplattenindustrie

Veröffentlicht von Christian Vandreier am

v.l.n.r.: Thomas Michels, Oliver Schenk MEP und Gastgeber, Xaver Feiner VP sales and Marketing Zollner, hinten Mitte Daniel Klein Geschäftsführer Würth PCB, Susan Kessler Public Affairs Würth, Clemens Otte Bereichsleiter Mikroelektronik & Kabel ZVEI.

v.l.n.r.: Thomas Michels, Oliver Schenk MEP und Gastgeber, Xaver Feiner VP sales and Marketing Zollner, hinten Mitte Daniel Klein Geschäftsführer Würth PCB, Susan Kessler Public Affairs Würth, Clemens Otte Bereichsleiter Mikroelektronik & Kabel ZVEI.


Unser CEO Thomas Michels nahm am 02.06.2026 in Brüssel am „Europe’s Microelectronics Business Case“ teil – einer hochkarätigen Veranstaltung des ZVEI e.V. gemeinsam mit europäischen Partnern aus Industrie, Politik und Forschung. Im Mittelpunkt standen die Zukunft der europäischen Mikroelektronik, die Weiterentwicklung des European Chips Act 2.0 sowie die Frage, wie Europa seine technologische Souveränität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken kann.

Für uns als Leiterplattenhersteller waren die Diskussionen von besonderer Bedeutung. Denn eine starke europäische Mikroelektronik kann nur dann erfolgreich sein, wenn die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt wird – von der Halbleiterentwicklung über die Elektronikfertigung (EMS) bis hin zur Leiterplattenproduktion als unverzichtbarer Grundlage nahezu aller elektronischen Systeme.


Studie zeigt Handlungsbedarf für Europas Elektronikindustrie

Zum Auftakt der Veranstaltung wurden die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Studie „Europe’s Semicon Business Case“ vorgestellt. Die Studie wurde gemeinsam vom ZVEI, FME, dem niederländischen Ministerium für Wirtschaft und Klimapolitik, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie strategy& erarbeitet.

Die Untersuchung analysiert die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Mikroelektronikstandorts und zeigt auf, welche Maßnahmen erforderlich sind, um Investitionen in Europa attraktiver zu gestalten. Dabei wurde deutlich, dass Europa zwar über eine starke Forschungs- und Innovationslandschaft verfügt, jedoch bei Produktionskosten, Investitionsbedingungen und Skalierungsmöglichkeiten im internationalen Wettbewerb vor großen Herausforderungen steht.

Gerade für die europäische Elektronikindustrie ist dies von zentraler Bedeutung. Halbleiter allein schaffen keine resilienten Lieferketten. Erst das Zusammenspiel von Chip-Herstellern, EMS-Unternehmen, Leiterplattenproduzenten, Materiallieferanten und Systemintegratoren ermöglicht eine leistungsfähige und unabhängige europäische Elektronikfertigung.


European Chips Act 2.0: Die gesamte Wertschöpfungskette im Blick

Im Anschluss diskutierten Industrievertreter, Mitglieder des Europäischen Parlaments und Vertreter der Europäischen Kommission die Ergebnisse der Studie im Kontext eines zukünftigen European Chips Act 2.0.

Im Fokus standen dabei zentrale Fragen:

  • Wie können Kostenstrukturen und Standortfaktoren verbessert werden, um Europa für Investitionen in die Mikroelektronik attraktiver zu machen?
  • Wie kann die Versorgungssicherheit für europäische Schlüsselindustrien langfristig gewährleistet werden?
  • Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um neue Investitionen entlang der gesamten Elektronik-Wertschöpfungskette anzuziehen?
  • Wie können neue Marktchancen in Zukunftstechnologien wie Elektromobilität, Industrieautomatisierung, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung genutzt werden?

Für die europäische Leiterplatten- und EMS-Industrie sind diese Fragestellungen von besonderer Relevanz. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie abhängig Europa in kritischen Bereichen von außereuropäischen Lieferketten geworden ist. Eine nachhaltige Stärkung der europäischen Elektronikindustrie erfordert deshalb nicht nur Investitionen in moderne Halbleiterfabriken, sondern ebenso den Ausbau von Leiterplatten- und Elektronikfertigungskapazitäten in Europa.


Hochkarätige Podiumsdiskussion mit klaren Botschaften

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion mit Oliver Schenk, Bart Groothuis, Dr. Arian Zwegers, Dr. Manfred Horstmann und Lars Lust unter der Moderation von Kathrin Glastra.

Die Diskussion verdeutlichte, dass Europa seine industriepolitischen Maßnahmen künftig noch stärker auf die gesamte Wertschöpfungskette ausrichten muss. Wiederholt wurde betont, dass technologische Souveränität nicht allein durch die Förderung von Halbleitern erreicht werden kann. Vielmehr müssen auch die vor- und nachgelagerten Fertigungsstufen gestärkt werden, um Innovationen tatsächlich in Europa zur Marktreife zu bringen und industrielle Wertschöpfung im eigenen Wirtschaftsraum zu halten.

Gerade Leiterplatten bilden dabei das Rückgrat moderner Elektronik. Sie verbinden Komponenten, ermöglichen komplexe elektronische Systeme und sind entscheidend für Anwendungen in Automobilindustrie, Industrieelektronik, Medizintechnik, Telekommunikation, Verteidigungselektronik und vielen weiteren Zukunftsmärkten.


Chancen für Europas Leiterplatten- und EMS-Branche

Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Diskussion um den European Chips Act 2.0 zunehmend breiter geführt wird. Während sich der erste Chips Act vor allem auf die Halbleiterfertigung konzentrierte, wächst das Bewusstsein dafür, dass Europas Wettbewerbsfähigkeit nur durch eine starke und resiliente Elektronik-Wertschöpfungskette gesichert werden kann.

Für Leiterplattenhersteller und EMS-Unternehmen ergeben sich daraus wichtige Chancen:

  • Stärkere politische Wahrnehmung der Bedeutung von PCB- und EMS-Kapazitäten in Europa
  • Höhere Investitionen in regionale Lieferketten und Fertigungsnetzwerke
  • Verbesserte Rahmenbedingungen für industrielle Produktion in Europa
  • Mehr Fokus auf Versorgungssicherheit und Resilienz kritischer Technologien
  • Neue Wachstumschancen durch Zukunftsmärkte wie E-Mobilität, Energie, Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz

Fazit

Die Veranstaltung in Brüssel hat eindrucksvoll gezeigt, dass Europas technologische Zukunft nicht allein in der Chipproduktion entschieden wird. Eine wettbewerbsfähige und resiliente Elektronikindustrie benötigt eine starke gesamte Wertschöpfungskette – von Materialien und Komponenten über Leiterplatten und EMS bis hin zu den Endanwendungen.

Für uns als Leiterplattenhersteller sind die Diskussionen rund um den European Chips Act 2.0 daher von großer Bedeutung. Sie bieten die Chance, die strategische Rolle der europäischen PCB- und Elektronikfertigung stärker in den Fokus zu rücken und die Voraussetzungen für eine nachhaltige industrielle Wertschöpfung in Europa zu schaffen.

Der Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, Industrievertretern und europäischen Partnern hat wertvolle Impulse geliefert und bestätigt: Eine starke europäische Mikroelektronik braucht starke Leiterplatten- und EMS-Unternehmen.


Wir bedanken uns beim ZVEI e.V., den beteiligten Institutionen und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die hervorragend organisierte Veranstaltung und den wertvollen Austausch. Die gewonnenen Erkenntnisse werden wichtige Impulse für die weitere Entwicklung einer starken und zukunftsfähigen europäischen Mikroelektronikindustrie liefern.

Kategorien: Allgemeines